„Neu bauen, nicht renovieren!“

Interview mit Michael Tsifidaris, Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender der KPS AG


Wie kann der stationäre Handel digitalen Angreifern Paroli bieten?

Der klassische Händler muss sich fragen: „Wie führe ich die drei Themenfelder – E-Commerce, Kundenmanagement und klassische Warenwirtschaft in einem Gesamtsystem zusammen und nutze die daraus resultierenden Möglichkeiten?“ Service- und Prozessinnovationen sind erforderlich, um mit einem höchst mobil gewordenen Kunden in einen neuen Dialog zu treten und Marken- sowie Kundenbindung zu stärken.

Sie sprechen von „Omnichannel-Fähigkeit“ der Händler?
Viele Händler beherrschen Spielarten wie online kaufen, stationär abholen oder zurückgeben. Im Omnichannel geht es nicht nur darum, Kunden kanalübergreifend zu bedienen, sondern sie wirklich zu kennen. Dazu muss ein Händler seine Kunden in Filialen, sozialen Medien und Callcentern, also an allen Kontaktpunkten, individuell begleiten und jede Kunden-, Waren- und Auftragsbewegung in der Realtime-Welt synchronisieren können.

Mit welchen Strategien begegnen Handelsunternehmen diesen Herausforderungen?
Wir beobachten zwei Strategien. Die erste ist, möglichst schnelle Antworten zu finden: Reaktion Nummer eins war der eigene Webshop. Nummer zwei: „Wir müssen in Facebook präsent sein.“ Nummer drei: „Wir brauchen die Möglichkeit, dass ein Kunde online kauft und stationär abholt.“ Die zweite Strategie wählt einen anderen Weg: Der Händler baut eine komplett neue Handelsplattform und entgeht auf diese Weise den Komplexitäten und Restriktionen seiner alten Prozesslandkarte.

KPS plädiert für den radikalen Neubau einer Handelsplattform anstatt überschaubarer Einzelprojekte. Warum?
Die klassische Vorgehensweise segmentiert das Thema löst es mit einzelnen Projekten. Damit kommt man bis zu einem bestimmten Punkt voran: man hat einen Internetauftritt, beschäftigt sich mit Kundenbindungsprogrammen und ist in den sozialen Medien präsent. Doch dann stößt die klassische Vorgehensweise an ihre Grenzen: an die Synchronisation aller Warenbewegungen und Kundenbewegungen in Realtime. Und es wird immer teurer, wie bisher weiterzumachen. Es ist heute möglich, eine neue Plattform zu 80 bis 90 Prozent mit Standardpaketen aufzubauen – also kein weiteres Geld in die Altbausanierung zu stecken, sondern alles in einen Neubau. Wir können auf diese Weise alle Werkzeuge, allen voran die IT, einsetzen, die ein Pure-Player nutzt, der auf einen Ist-Zustand keine Rücksicht nehmen muss. Dabei lässt sich das Know-how des Unternehmens wesentlich erfolgversprechender einsetzen, und innovative Prozesse und Ideen können umgesetzt werden, ohne von bestehenden Altlandschaften gebremst zu werden.

Wie groß sind die Zeit- und Kostenvorteile?
KPS steht seit 15 Jahren für die Grundidee, den Transformationsprozess erheblich zu beschleunigen. Wir bilden ein Unternehmen in 6-12 Monaten komplett als Prototyp ab und nach maximal 24 Monaten ist der Neubau fertig. Wir sprechen über Geschwindigkeits- und Kostenvorteile von bis zu 50 Prozent, wobei für unsere Kunden die Geschwindigkeit das Entscheidendere dabei ist.