Supply Chain

Was braucht die Supply Chain der Fashion-Branche während der Pandemie?

16. Juli 2020

7 Minuten

Ein Produkt überzeugt durch Service in der Logistik

Die Logistik hat sich von einem unterstützenden Prozess in der Wertschöpfungskette zu einem Kernprozess entwickelt. Nur derjenige überlebt am Markt, der mit seiner Zuverlässigkeit, Schnelligkeit und Serviceorientierung in der Lieferkette den Kunden überzeugt. Der Kunde kauft nicht mehr nur ein Produkt, sondern den Service in der Logistik gleich mit.

Die wichtigsten Punkte des Blogs

In den letzten Monaten musste gerade die Textilwirtschaft mit erdbebenähnlichen Nachfrageschwankungen umgehen

In den letzten Monaten musste gerade die Textilwirtschaft mit erdbebenähnlichen Nachfrageschwankungen umgehen.

Während des Corona Lockdowns waren oder sind die Filialen und Bekleidungshäuser von einem auf den anderen Tag geschlossen worden. Das komplette Saisongeschäft wurde gekippt. Teile des Nachfragevolumens wurde auf den online Kanal verlegt, wenn auch mit geänderten Schwerpunkten: Die Business-Anzüge blieben liegen und die bequemen Home-Sweater und Jogginganzüge waren angesagt. Ebenso fiel der Absatz von Brautkleidern um mehr als 60 Prozent, Damenkleider allgemein sowie Outdoor-Kleidung für Männer wurden kaum verkauft. Sport-Label dagegen hatten weiterhin Top-Chancen im Verkauf, besonders online natürlich. Das Interesse an Lounge-Wear und Sport-Outfits war nahezu ungebrochen.

Die Verlierer, die Gewinner, die Changer und die Bewahrer

Über alle Geschäftsmodelle betrachtet kristallisieren sich 4 Kategorien heraus, die den Markt separieren: Die Verlierer, die Gewinner, die Changer und die Bewahrer.

Die Verlierer

Die todbringende Mischung in der Krise besteht aus den folgenden Zutaten: Fokus ausschließlich auf den stationären Handel, kein Onlinegeschäft oder Onlinegeschäft nicht ausbaubar. Die Supply Chain ist starr organisiert, im schlimmsten Fall existieren im Voraus vereinbarte Mindestabnahmen bzgl. der Transportvolumina und des Lagerhandlings. Desweiteren setzt der „Verlierer“ auf ein altbackenes Sortiment ohne den „Hip-Faktor“. Diese Faktoren führen den Händler in die direkte Insolvenz. Beispiele dafür gab es in letzter Zeit leider öfters und recht prominent.

Die Gewinner

Lichtblicke in der Krise waren diejenigen, die sich eines regen und skalierbaren Onlinegeschäfts erfreuen. Dahinter steht eine dynamische Supply-Chain-Organisation, welche sowohl Nachfrageschwankungen als auch kurzfristige Wechsel in den Lieferkanälen verkraften kann. Der Onlineauftritt ist so gestaltet, dass sowohl aktuelle Bezahlmethoden wie googlepay, applepay, oder paypal unterstützt werden, als auch die logistischen Services nach dem letzten Stand der Technik ausgelegt sind – das sind Lieferzeitfensterwahl, Echtzeittracking, one day delivery. Die komplette Lieferkette ist IT-seitig und prozessual integriert. Schnelle und effiziente Abläufe sind durch Vermeidung von papierbasierter Kommunikation und Umsetzen von kollaborativen Plattformen realisiert, zum Beispiel zur effizienten Frachkostenabrechnung ohne manuelle Rechnungsprüfung. Das Sortiment nimmt aktuelle Trends auf und ist bei Alt und Jung gleichermaßen beliebt.

Die Changer

Die Changer sind mit Sicherheit die interessanteste Kategorie. Das sind diejenigen Händler, die sich die Krise zunutze gemacht haben, um ihr Geschäftsmodell anzupassen. So durften wir Händler begleiten, die ihre Kompetenzen in der logistischen Abwicklung auch anderen Händlern zugängig gemacht haben und damit einen „Marktplatz“-Ansatz verfolgt haben. So können sogar Wettbewerber zu Kunden werden – immer rein bezogen auf die Services im Bereich der Supply Chain. Dies erlaubt den alten Wettbewerbern und neuen Kunden, ihre Investments in der eigenen Lieferkette zurückzufahren und gleichzeitig auf erfahrene Kompetenzen inklusive SLA Vereinbarungen des „Changers“ zu setzen. Der Changer behält damit sein eigenes Geschäft und seine Marke, öffnet aber sein Geschäftsmodell in der Logistik. Dies ist staffelbar über die reine Transportabwicklung, Lagerhaltung, Produktionsbeauftragung und mehr.

Die Bewahrer

Der Bewahrer schafft es, mit seinem bestehenden Martkauftritt und dank einer starken Markenmacht sein Geschäft zu erhalten und verzeichnet weder signifikante Zugewinne noch den Verlust von Käuferschichten. Typischerweise sind dies Hersteller und Händler von Artikel „des täglichen Bedarfs“ im Bereich Textil, die weder Modetrends unterliegen noch hochpreisig sind.

Die disruptiven Veränderungen der letzten Monate sind für uns Neuland

Die disruptiven Veränderungen der letzten Monate sind für uns Neuland.

In den vergangenen Jahrzenten konnten wir unsere Lieferkette schön optimiert planen und von einer planbaren Abweichung von 5% – 10% ausgehen. Das hat sich nun komplett gedreht. Nachfrageänderungen von 80 – 90% des Volumens sind zu verkraften und die Verstärkung des Online Geschäftes resultiert in komplett unterschiedlichen Abläufen in den Lagerstandorten und der Transportkette. Es wird keine Hängeware und Größensets kommissioniert – sondern Einzelpackstücke. Es findet kein „Busfahrplan“ vorab beauftragter LKWs mehr statt, sondern Paketversendung über KEP Dienstleister.

Dies bedeutet fundamentale Änderungen in den Abläufen der Organisation, die der Spiegel der Prozesse in den IT-Systemen sind.

Notwendiger Werkzeugkasten

Notwendiger Werkzeugkasten

Ein kompletter Werkzeugkasten ist notwendig, um die Supply Chain End-to-end zu durchleuchten und auf folgende relevante Themen zu prüfen:

  • Flexibilität
  • Dynamisierung
  • Kosteneffizienz
  • Zukunftsfähigkeit

Health Check

Health Check

Um in kürzester Zeit eine erste Grobanalyse und damit eine Idee zu bekommen, welche Werkzeuge aus dem Werkzeugkasten sinnvollerweise zum Einsatz kommen sollen, hilft ein Health Check des Supply Chain Managements im Unternehmen. Hier ermitteln wir unter Abgleich von best practice-Datenbanken die momentanen Stärken und Schwächen der Supply Chain und entwickeln entsprechende Handlungsvorschläge – wie beispielsweise:

Verifikation der SCM-Strategie mit Blick auf den momentanen Wandel

Verifikation der SCM-Strategie mit Blick auf den momentanen Wandel

Mit Einsatz verschiedener Methoden muss eine mittel- bis langfriste Strategie gegenüber den absehbaren Marktbewegungen entwickelt werden. Das Wissen um das aktuelle Marktgeschehen und die Analyse von Trends und Prognosen im entsprechenden Marktumfeld sind unabdingbar. Wir müssen untersuchen, welche Maßnahmen strategisch sinnvoll sind, hierzu gehören Aspekte wie:

  • Make or buy in Transport und Lagerprozessen – welche Services vergebe ich an meine Dienstleister, was sehe ich als mein USP und betreibe ich selbst? Wie groß gestalte ich meinen eigenen Fuhrpark versus Ausschreibung der Kapazitäten?
  • Standortlagen Review der Lagerstandorte – meist sind die Lagerstrukturen historisch gewachsen. Wie komme ich weg von meinem Flickenteppich, welche Chancen zur Konsolidierung von Standorten sehen wir auf Basis heutige und zukünftiger Lieferströme?
  • Chancen zusätzlicher Geschäftsfelder in der Supply Chain – inwiefern kann ich meine logistischen Fähigkeiten auch externen Parteien anbieten und als Dienstleister auftreten? Welche Erträge kann ich erwarten?

Process Mining

Wir müssen uns alle operativen Daten aus dem IT System vornehmen und die kritischen Engpässe bezüglich der Performance, Kosten und Kundenzufriedenheit in der Supply Chain ermitteln. Wie können wir das innerhalb kürzester Zeit schaffen? Mithilfe der Technik des „Process Minings“ zusammen mit Celonis. Das Process-Mining-Tool erlaubt eine dynamische Analyse von Ausnahmen und Prozessengpässen, indem wir uns an Data Lakes und Applikationen andocken und ein dynamisches Framework zur effizienten Analyse verwenden. Mit Best Practice KPIs wird ein Vergleich zum Marktdurchschnitt erstellt.

Zukunftsfähigkeit der IT Architektur

Sobald die Kernausrichtung der Supply Chain steht, nehmen wir uns die IT-Architektur vor und untersuchen diese hinsichtlich des Abdeckungsgrades der in der Strategie geforderten Fähigkeiten. Auch die Zukunftsfähigkeit der technologischen Basis und der Systemlandschaft lassen wir nicht außer Acht. Themen wie Cloud Ansätze versus on Premise Installationen kennen wir aus dem Effeff.

Heraus kommt am Ende eine einfach verständliche Bewertung und eine Roadmap auf Basis der größten Nutzenhebel.

Fragen? Kontaktieren Sie uns gerne!

KPS

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