SAP Cloud: Public vs. Private
Die richtige Wahl treffen
Langsam aber sicher setzen immer mehr Unternehmen auf die Stärken und Vorteile der SAP Cloud, um sich entscheidende strategische und finanzielle Vorteile zu sichern. In einer Zeit, in der Flexibilität, Effizienz und Innovation über den Erfolg am Markt entscheiden, bietet die Cloud Möglichkeiten, die weit über traditionelle IT-Infrastrukturen hinausgehen.
Das war nicht immer so. Lange dominierten On-Premises-Systeme die Systemlandschaften von Unternehmen. Bei Cloud-Anwendungen hatten Unternehmen lange Bedenken in Bezug auf die Datensicherheit und Datenhoheit. Doch mittlerweile überwiegen die Vorteile und auch die positiven Erfahrungen mit Cloud-Anbietern im Non-ERP Bereich. Viele SAP-Kunden, und diejenigen, die es noch werden wollen, evaluieren deshalb den Umstieg und fragen sich: Lohnt sich der Einstieg in die SAP Cloud? Und wenn ja, welche Lösung passt am besten – die SAP S/4HANA Cloud, Private Edition oder die Public Edition? Oder gar eine hybride Form?
Erfahren Sie in diesem Blog mehr über die verschiedenen Cloud-Optionen, über die jeweiligen Vor- und Nachteile und über den besten Weg zur SAP Public Cloud.
Die wichtigsten Punkte des Blogs
Wie ausgeprägt ist die Nutzung der SAP Cloud heute?
Wie ausgeprägt ist die Nutzung der SAP Cloud heute?
Bisher setzen die meisten Unternehmen laut DSAG Investitionsreport 2024 noch auf die SAP Business Suite (68 %) und SAP S/4HANA On-Premises (44 %). Die Nutzung der SAP Cloud ist noch verhalten, aber die Zahl der Cloud-Nutzer nimmt langsam zu: Bei der Private Cloud stieg die Nutzung im vergangenen Jahr von 8 auf 11 % und bei der Public Cloud von 3 auf 6 %. Im Vergleich zur SAP Business Suite und zu SAP S/4HANA On-Premises ist die SAP Cloud-Nutzung also noch eher zurückhaltend, aber es ist ein Aufwärtstrend erkennbar.
Wird sich die SAP Cloud durchsetzen?
Wird sich die Cloud durchsetzen?
Perspektivisch wird an der Cloud für Unternehmen sicher kein Weg mehr vorbeiführen. Die Ankündigung von SAP CEO Christian Klein 2023, dass Innovationen künftig nur noch in der Cloud zur Verfügung gestellt werden, ist ein klares Zeichen für die künftige SAP-Strategie. Die On-Premises-Lösungen sollen zwar noch funktional weiterentwickelt werden, aber Innovationen wie künstliche Intelligenz (KI) oder Green Ledger werden demnach nur in der SAP Cloud zu finden sein. Auch größere Funktionsbausteine und Erweiterungen auf Basis der SAP Business Technology Platform (BTP) sind nur in der Cloud verfügbar.
Bisher ist in der Public Cloud zwar noch nicht der volle Funktionsumfang wie in der Private Cloud oder den klassischen On-Premises-Lösungen verfügbar. Bei der aktuell hohen Entwicklungsgeschwindigkeit kommen allerdings fast täglich Updates in der Public Cloud hinzu, so dass neben schon sehr ausgereiften Finance-Funktionen auch die branchenspezifischen Funktionen für den Handel, Fashion oder Manufacturing schon jetzt verfügbar sind. Es ist daher damit zu rechnen, dass in den kommenden 1-2 Jahren in der Public Cloud ebenfalls der volle Funktionsumfang für alle 25 Branchen erreicht wird, die SAP abdeckt. Ein Grund mehr, sich mit der SAP Public Cloud als Option auseinanderzusetzen.
Wenn man sich für die SAP Cloud entscheidet, bleibt noch die Frage nach der Art der Cloud: Die Entscheidung zwischen der SAP Public Cloud und die SAP Private Cloud hat direkte Auswirkungen auf die Geschäftsstrategie, Sicherheitsanforderungen und Kosteneffizienz. Beide Ansätze unterscheiden sich hauptsächlich in Bezug auf die Nutzungsstruktur, Kontrolle und Kosten. Schauen wir uns die Unterschiede und die jeweiligen Vor- und Nachteile einmal genauer an.
SAP S/4HANA Cloud, Public Edition – Der direkte Weg zum Clean Core
Infrastruktur & Kosten
Die SAP Public Cloud, bzw. mit offiziellem Namen die SAP S/4HANA Cloud Public Edition, wird von SAP in einer gemeinsamen Cloud-Infrastruktur als Software-as-a-Service gehostet, so dass Unternehmen die Infrastruktur mit anderen Unternehmen teilen (Multi-Tennant). Dadurch ergeben sich eine höhere Kosteneffizienz sowie Skaleneffekte. Unternehmen profitieren von deutlich niedrigeren Kosten für die Implementierung, aber auch von Einsparungen bei Lizenzen, da die Public Cloud nach dem Pay-as-you-go-Modell im Abo angeboten wird. Alle Kosten für die Nutzung, Wartung sowie für Updates sind im Preismodell schon enthalten. In der Praxis hat sich gezeigt, dass die Implementierungskosten für die Public Cloud häufig nur ein Drittel oder sogar nur ein Fünftel der Kosten der Einführung eines klassischen SAP ERP-Systems betragen. Die SAP Public Cloud ist bereits ab einer Mindestnutzerzahl von 25 Usern verfügbar und damit einer größeren Zahl an Unternehmen zugänglich.
Implementierung
Die Implementierung der SAP Public Cloud und erfordern sowohl auf Unternehmensseite als auch auf Seiten von Implementierungspartnern einen geringeren Aufwand. Die Projektlaufzeiten der Implementierung sind bei der SAP Public Cloud dadurch deutlich kürzer, sodass in vielen Fällen ein Go-Live in einem Zeitraum von nur 6 bis 12 Monaten möglich ist.
Updates & KI
Alle Updates oder Release-Wechsel erfolgen automatisch von SAP. Dadurch ist die Software jederzeit auf dem neuesten Stand und es entfällt der Aufwand für das Einspielen von Updates. Unternehmen profitieren ab Tag 1 von mehr Innovationen und haben bei der Digitalisierung die Nase vorn.
Standardisierung
Die SAP Public Cloud erfordert ein Umdenken bei Management und Anwendern, da sie standardisierte Prozesse vorgibt. Dies bringt erhebliches Change Management mit sich, das vom Top-Management unterstützt werden muss. Anders als bei vorherigen Systemen sind Eigenentwicklungen und individuelles Customizing in der Public Cloud nicht möglich. Stattdessen erfordert sie ein neues Prozessdesign nach dem Fit-to-Standard-Prinzip und einen Greenfield-Ansatz. Der Vorteil liegt in der Standardisierung, die einen Clean Core ermöglicht und alten Ballast beseitigt. Anpassungen sind über drei verschiedene Wege möglich:
- Key-User-Erweiterbarkeit
- Entwickler-Erweiterbarkeit
- Komplexere Erweiterungen, die über die integrierte SAP BTP (Business Technology Platform) hinzugefügt werden können
Anpassungen in der Cloud sind also möglich, aber eben nur dort, wo SAP sie vorzieht.
SAP S/4HANA Cloud, Private Edition – Der individuelle Weg in die Cloud
Infrastruktur, Kosten & Sicherheit
Im Gegensatz zur Public Cloud bietet die private SAP-Cloud den Unternehmen die Möglichkeit, die SAP-Anwendungen in einer dedizierten Cloud-Umgebung zu betreiben, die ausschließlich für die eigene Nutzung bereitgestellt wird (Single Tenant). In der Private Cloud muss man die Cloud also nicht mit anderen Unternehmen teilen. Dies ermöglicht eine höhere Kontrolle und Sicherheit über die eigenen Daten. Die Private Cloud kann besonders für Branchen mit strengen Compliance-Anforderungen oder für Unternehmen mit sensiblen Daten von Vorteil sein. Auch bei der Private Cloud werden die Kosten über ein Abo-Modell getragen. Allerdings sind die Kosten für den Betrieb einer privaten Cloud höher, da sie eine umfassendere Infrastruktur erfordert und weniger Skaleneffekte bietet als die Public Cloud. Darüber hinaus ist die Total Cost of Ownership grundsätzlich bei individuell implementierten Lösungen höher.
Implementierung
Die Implementierung der SAP Private Cloud ist vergleichbar mit der von klassischen SAP-Systemen. Aufwand und Dauer der Implementierung hängen von den individuellen Anforderungen eines Unternehmens ab. In der Regel ist ein höherer zeitlicher Einsatz beim Unternehmen und beim Implementierungspartner notwendig, um den vollen Funktionsumfang zu nutzen.
Updates
Die Updates in der SAP Private Cloud folgen dem bisherigen jährlichen Release-Modell. Um in der regulären Wartung zu bleiben, ist es jedoch erforderlich, dass Unternehmen mindestens einmal alle fünf Jahre ein Upgrade vornehmen. Bei der Private Cloud sind die Unternehmen also gefragt, selbst regelmäßige Aktualisierungen ihrer Software zu gewährleisten, um auf dem neuesten Stand zu bleiben und von Innovationen zu profitieren.
Individualisierung
Die SAP Private Cloud bietet die Möglichkeit, spezifische Anpassungen und Konfigurationen vorzunehmen, um den individuellen Geschäftsanforderungen gerecht zu werden. Bestehende Prozesse können in der Private Cloud übernommen werden. Das bedeutet, dass der Umstieg auch mit dem Brownfield-Ansatz oder einer Shell Migration möglich ist.
Public Cloud vs Private Cloud – Die Unterschiede kurz erklärt
Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick
Die wichtigsten Unterschiede
Worin unterscheiden sich die beiden SAP Cloud-Ansätze? Hier ein tabellarischer Überblick. Den vollständigen Vergleich können Sie hier öffnen.
Für wen eignet sich welche SAP Cloud? Und wann lohnt sich ein hybrider Weg?
Für wen ist welche SAP Cloud geeignet?
Ob die Public Cloud oder die Private Cloud infrage kommt, hängt von den individuellen Anforderungen des Unternehmens ab:
Public Cloud: Ein Favorit des Mittelstands
Mit ihrer flexiblen und kosteneffizienten Struktur punktet die SAP Public Cloud besonders bei mittelständischen Unternehmen. Das Abo-Modell erspart hohe Anfangsinvestitionen, was die finanzielle Belastung reduziert und für planbare, regelmäßige Kosten sorgt.
Die Public Cloud bietet zudem eine hohe Skalierbarkeit, wodurch Mittelständler schnell auf Wachstum und Marktveränderungen reagieren können, ohne zusätzliche Infrastruktur aufzubauen. Schnelle Implementierbarkeit und kontinuierliche Updates helfen mittelständischen Unternehmen stets auf dem neuesten Stand zu arbeiten.
Hinzu kommt: via SAP Public Cloud sind Zukunftstechnologien wie maschinelles Lernen und Big Data-Analysen verfügbar, einst ein Privileg der großen Unternehmen.
Private Cloud: Beliebt bei Unternehmen mit komplexen Anforderungen
Die SAP Private Cloud ist besonders für Unternehmen geeignet, die hohe Anforderungen an Sicherheit, Compliance und Individualisierung haben.
Diese Lösung bietet umfassende Kontrolle über die eigenen Systeme und Daten, was besonders wichtig für Branchen mit strengen regulatorischen Auflagen wie Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen und Fertigung ist.
Darüber hinaus ermöglicht die SAP Private Cloud maßgeschneiderte Anpassungen und Eigenentwicklungen, die spezifische Geschäftsprozesse optimal unterstützen und so Wettbewerbsvorteile sichern können.
Hybrider Ansatz: Die Mischung macht’s für Two-Tier
Die Entscheidung für die SAP Cloud muss nicht zwangsläufig eine Entweder-Oder-Frage sein.
Unternehmen können sowohl die Public als auch die Private Cloud nutzen und so die Vorteile beider Ansätze kombinieren. Beispielsweise kann das Headoffice die Kontrolle über Systeme mittels der Private Cloud behalten, um den hohen Sicherheitsanforderungen, Compliance-Vorgaben und zahlreichen Eigenentwicklungen gerecht zu werden. Gleichzeitig können Tochtergesellschaften die Public Cloud nutzen, um von deren Flexibilität zu profitieren und kleinere Einheiten leichter zu integrieren. Dieser sogenannte Two-Tier-Ansatz ermöglicht es, maßgeschneiderte Lösungen für verschiedene Unternehmensbereiche zu schaffen.
Die Entscheidung für die SAP Cloud muss keine Entweder-Oder-Frage sein. Public und Private Cloud lassen sich kombinieren.
Wie starte ich meinen Weg in die SAP Cloud?
Wie starte ich meinen Weg in die SAP Cloud?
Der Einstieg in die SAP Cloud, ob Public oder Private Cloud, beginnt immer mit einem SAP Digital Discovery Assessment (DDA). Dieses Online-Tool hilft Unternehmen festzustellen, welche Cloudversion ihre Anforderungen am besten abdeckt.
Es wird empfohlen, das DDA mit einem SAP-Partner durchzuführen, um den benötigten Funktionsumfang genau zu erfassen. Das Assessment liefert sofort ein Ergebnis, ob die Public Cloud geeignet ist oder nicht.
Die Informationen aus dem DDA können für einen Request-for-Proposal-Prozess genutzt werden, um einen Implementierungspartner zu finden. Sollte die Public Cloud nicht passen, kann das Assessment nach einigen Wochen oder Monaten wiederholt werden, da dann möglicherweise neue Funktionen verfügbar sind.
Worauf kommt es beim richtigen Implementierungspartner an?
Worauf kommt es beim richtigen Implementierungspartner an?
Sowohl beim Digital Discovery Assessment als auch bei der Implementierung der SAP Cloud bietet es sich an, mit einem erfahrenen Partner zusammenzuarbeiten. Was zeichnet aber einen guten Partner aus?
- SAP Partner: Eine umfassende Expertise in den SAP-Systemen ist unerlässlich. Da ist es gut, wenn der Implementierungspartner über eine enge Partnerschaft mit SAP verfügt.
- Ganzheitlicher Ansatz: Der Partner sollte alle Prozesse end-to-end kennen und mit der gesamten SAP-Infrastruktur, von der Public Cloud bis zur Private Cloud und darüber hinaus, vertraut sein.
- Roadmap: Der Partner sollte die Entwicklungsplanung von SAP im Blick haben, um Empfehlungen für zukünftige Funktionen und Add-ons über die SAP BTP geben zu können und unnötige Kosten zu vermeiden.
- Change Management: Da Transformationen wie bei der SAP Cloud nicht nur IT-Projekte, sondern vielmehr „People-Projekte“ sind, sollte der Partner sehr erfahren darin sein, Unternehmen beim Change Management der Organisation zu unterstützen.
- Kundenprojekte: Praxiserfahrungen aus zahlreichen Kundenprojekten sind ein guter Indikator für das Know-how die Kompetenz des Partners.
Beispiel: Die erste SAP Public Cloud Implementierung in Dänemark
Sneak Peak: Die erste SAP Public Cloud Implementierung in Skandinavien
KPS unterstützt einen Pensionsfond in Skandinavien bei seinem Cloud- Projekt. Die Finanzoperationen des Unternehmens werden von einem stark individualisierten On-Premise SAP ECC System zur SAP Public Cloud migriert. Dabei ermöglicht der SAP Activation Service schnelle Fit-to-Standard-Workshops, wodurch sich der Go-Live-Prozess auf nur 6-12 Monate verkürzt. Dieses Projekt soll bis Ende 2024 in Betrieb gehen und ist die erste Implementierung dieser Art in Skandinavien.
Das Unternehmen entschied sich nach erfolgreichem DDA für die SAP Public Cloud, da das System alle benötigten Funktionen und zudem Innovation von Tag 1 an bietet. Der geringere Implementierungsaufwand, die deutlich niedrigeren Kosten sowie die Standardisierung in einem Clean Core waren weitere entscheidende Vorteile.
Fazit
Den eigenen Weg finden
Sowohl die Private Cloud als auch die Public Cloud bieten jeweils Vorteile. Welche für das eigenen Unternehmen am besten passen, kommt ganz auf die eigenen Anforderungen an. Damit der Weg in die SAP Cloud gelingt, kommt es zuallererst auf eine gute Bestandsaufnahme der Ist-Situation und des Ziel-Szenarios an. Dann gilt es, technisches Know-how mit geschicktem Change Management zu kombinieren und die passenden Implementierungspartner für einen reibungslosen und erfolgreichen Wechsel zur Cloud zu finden.
Was sagen andere zur Nutzung der SAP Cloud? Welche aktuellen Trends gibt es und wie gehen Unternehmen die SAP S/4HANA-Umstellung an? Weitere Zahlen zu den aktuellen Cloud-ERP-Trends finden Sie in der Studie von Computerwoche, CSO, CIO und weiteren Partnern.
Sie möchten mehr über die SAP Cloud erfahren? Sie suchen einen Partner für ein SAP DDA oder eine Transformation? Sprechen Sie uns an. Wir unterstützen Sie gerne!
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